Erfolgsgeschichte mit Ultraschall-Technik
Ein bißchen klingt das alles wie ein Wunder. Auch Klaus Nickel, Geschäftsführer des Unternehmens "Ultrawaves", ist im Gespräch das Staunen anzumerken. Vor ein paar Jahren noch mußte er dem Finanzamt erklären, weshalb er so wenig Geld verdienen würde. Inzwischen ist der Ingenieur die meisten Tage in der Woche auf Reisen durch aller Herren Länder und dürfte sich wohl um sein Einkommen kaum mehr sorgen müssen.
Nickel verkauft erfolgreich ein Hochleistungs-Ultraschallgerät, mit dem Abwasserklärschlamm beseitigt werden kann. 80 Kilogramm schwer, kaum größer als ein normaler Koffer - das Interesse an dem Produkt, dessen technisches Know-how "made by TU Hamburg-Harburg" ist, steigt außerhalb Deutschlands rasant. Man habe bislang Lizenzen in 25 Ländern vertreiben können, sagt Nickel. Besonders stolz ist er auf den Erfolg in Japan. "Dort sind wir der einzige ausländische Anbieter, der auf dem Markt zugelassen wurde."
Was heute so einfach klingt, sah vor fünf Jahren überhaupt nicht nach einer Erfolgsgeschichte aus. "Wir wußten, daß unsere Technologie funktioniert", erzählt Nickel. "Aber wir hatten keinen Partner in der Wirtschaft, der das Gerät baute." Was lag näher, als sich den Partner zu suchen. Die Erfahrungen mit der Handelskammer Hamburg beschreibt Nickel heute höflich als "bescheiden". Überhaupt machten die Forscher im Norden nur "schwache Resonanz" aus.
Statt dessen meldete sich aus Baden-Württemberg - "unweit von Karlsruhe" - ein mittelständischer Ultraschallgerätehersteller. Der brachte nicht nur Interesse, sondern auch 500 000 Euro mit, ein marktfähiges Produkt zu bauen. Nickel schwärmt noch heute davon, "wie wenig bürokratisch" es in dem 150-Mann-Unternehmen zugeht. "Wir fanden damals sofort einen Ansprechpartner, der auch etwas zu sagen hatte."
Und für den sich die Zusammenarbeit mit den Hamburger Forschern inzwischen mehr als lohnt. Die Behandlung von Klärschlamm, ein Restprodukt aus der Abwasserreinigung, sei weltweit sehr teuer geworden, erzählt Nickel. Ultraschalltechnologie sei viel günstiger und deshalb hochinteressant. Der Ingenieur hat außerhalb Deutschlands - in Dänemark oder in den Niederlanden beispielsweise - deutlich mehr Flexibilität bei Behörden ausgemacht, die neue Technik einzusetzen. Zugleich haben aber auch andere Universitäten dieses Forschungsthema entdeckt. "Wissenschaftlich sind wir weltweit noch die Nummer eins", sagt Nickel. Noch, denn in Deutschland bekommt Umwelttechnik kaum noch Forschungsgelder vom Staat.
Der Artikel ist erschienen am Montag, den 08. Mai 2006 in "Die Welt"





